BUND Ortsgruppe Raum Rottweil

Der Schatz im Eschachtal

Ortstermin beim Hangquellmoor Gallisried in Horgen

„Als ich die Einladung zu einer Moorbesichtigung bekam, dachte ich zunächst, wo muss ich denn da bloß hinfahren? Dabei ist es ja gleich hier“, so der Kommentar einer Horgener Ortschaftsrätin zur Einladung des Vorstandes der BUND-Ortsgruppe Raum Rottweil.

Im Eschachtal nordwestlich von Horgen liegt nämlich versteckt und nur von Wenigen bekannt ein Kleinod mit besonderer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz: das sogenannte „Gallisried“. Bei einer gemeinsamen Begehung erläuterte Frau Christina Romer vom Landschaftserhaltungsverband Landkreis Rottweil fachkundig dem Ortschaftsrat Horgen, inklusive Ortsvorsteher Matthias Sigrist, und den interessierten BUNDler*innen die außergewöhnliche Bedeutung des Gallisriedes für die Artenvielfalt. Auf den ersten Blick nicht mehr als eine nasse Wiese, handelt es sich tatsächlich um ein Hangquellmoor oder Kalkflachquellmoor. Hangquellmoore entstehen dort, wo an flachen Unterhängen wasserstauende Gesteinsschichten austreten und so an der Oberfläche Torfbildung – sogar am Hang - möglich machen. Sie sind zwar meist kleinräumige, aber stark unterschätzte Lebensräume, denn einige Tier- und Pflanzenarten kommen ausschließlich oder überwiegend in diesem Biotoptyp vor. Sogar einige Rote-Liste-Arten sind hier zu finden, daher besteht auch ein Betretungsverbot auf der Wiese.

Dazu, dass dieses „Juwel der Artenvielefalt“ hier zu finden ist, gibt es eine beinahe 40-jährige Geschichte: 1983 wurde die Pflege des Gallisriedes von Ernst Schamburek als ökologische Bildungsmaßnahme der Volkshochschule Villingen-Schwenningen ins Leben gerufen und über die Jahre in abwechselnder Besetzung von BUNDler*innen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg übernommen. Aufgrund ihrer Kleinräumigkeit und ihrer hohen hydrologischen Sensibilität sind Hangquellmoore stark gefährdet – und mit ihnen all ihre Bewohner. Einmal im Jahr

sollte das alte Grüngut abgemäht und abgetragen werden. Dieser Entzug von Nährstoffen bremst dominante Pflanzenarten in ihrer Entwicklung und gibt vielfältigen, weniger dominanten Arten eine Chance, sich zu behaupten. Auch besteht die Gefahr der Verbuschung, so muss auch die Ausbreitung von Gehölzen im Ried regelmäßig eingedämmt werden. Von den Pflegemaßnahmen der letzten Jahre und der dadurch positiven Entwicklung des Feuchtgebietes konnte Frau Sperle-Fleig von der BUND-Regionalgeschäftsstelle Schwarzwald-Baar-Heuberg berichten. Im letzten Jahr (2019) war erstmals auch der neue Vorstand der BUND Ortsgruppe Raum Rottweil mit dabei. Für zukünftige Pflegeeinsätze werden immer interessierte Bürger*innen aus Horgen oder dem Raum Rottweil gesucht, die sich gerne aktiv am Naturschutz vor ihrer Haustür engagieren wollen.

Der informative Ortstermin war spannend und bereichernd für alle Teilnehmenden, da durch das Bewusststein über dessen Besonderheit der Erhalt dieses Lebensraumes hoffentlich auf lange Zeit gesichert ist. Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen zählt allerdings die Rücksichtnahme von Allen. So ist darauf zu achten, dass keine Pflanzen gepflückt oder Tiere gefangen werden. Ein schönes Foto ist eine langlebigere Erinnerung.

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